Mittwoch, 9. September 2026

PODCAST 03 von Padre Hernán Tarqui

Der Herr von Bombori

Willkommen zur heutigen Folge. Die Puna im bolivianischen Hochland ist kein Ort für Schwache. Wenn im Juni und Juli der eisige Winterwind über das Altiplano fegt, erwacht eine der faszinierendsten Ecken Boliviens zum Leben. Tausende Menschen ziehen nach Pumpuri – zu einer Gestalt, die ebenso geliebt wie gefürchtet wird: Tata Bombori.

Die Nacht, in der der Reiter blieb

Alles beginnt in der Kolonialzeit. Ein spanischer Eroberer kämpft sich durch die eisige Andennacht. Plötzlich entfesselt die Natur ihre volle Wucht: Sintflutartiger Regen, Blitze zucken wie Peitschen vom Himmel. Der Reiter steigt ab, ein gewaltiger Donnerknall verschreckt die Pferde. Sie fliehen in die Dunkelheit.

Alleingelassen in der tödlichen Kälte stolpert der Mann hinab in das Tal von Pumpuri. Er entdeckt eine Lehmhütte, rettet sich ins Innere – und geht nie wieder weg.

Alleingelassen in der tödlichen Kälte stolpert der Mann hinab in das Tal von Pumpuri. Er entdeckt eine Lehmhütte, rettet sich ins Innere – und geht nie wieder weg.

Vom Verschollenen zum Heiligen

Jahrhunderte vergehen. Schließlich stoßen Bergleute in den Felsen auf eine Heiligenfigur: den mysteriösen Wanderer, allerdings ohne Pferd. Sie bringen ihn zurück in die alte Lehmhütte. Seit diesem Tag lebt er dort als Tata Bombori.

Sein Anblick im Kerzenlicht ist imposant und unheimlich zugleich:

In der rechten Hand hält er die Bibel.

In der linken Hand funkelt ein Schwert.

Auf seiner Brust prangen das Herz Jesu und der Mond der Jungfrau Maria – meisterhaft in Silber gearbeitet.

Als das ursprüngliche Haus durch die Unmenge an Opferkerzen niederbrennt, bauen die Dorfbewohner direkt daneben ein modernes Gebäude. Doch Tata Bombori weigert sich umzuziehen. Er bleibt in den tiefschwarz rußgeschwärzten Überresten seiner Hütte.

Synkretismus: Glaube, Opfer und Furcht

Am 25. Juli gipfelt die Wallfahrt im Fest des Santiago Apostel. Hier verschmelzen katholischer Glaube und indigene Traditionen:

Die Ch'alla: 

Pilger bespritzen ihre Autos rituell mit Alkohol, um Schutz auf den gefährlichen Passstraßen zu erbitten.

Das Opfer: 

Neben Kerzen und Gebeten werden dem Heiligen zu Ehren Lämmer geopfert.

Das Fest: 

Nach der Einkehr explodiert das Dorf in Tänzen, Musik und Prozessionen.

Doch Vorsicht: 

Während Tata Bombori Wohlstand bringt und Krankheiten heilt, straft er Respektlosigkeit gnadenlos ab. Anders als sein friedlicher "Bruder" Santiago de Chaquí duldet er keine Fehltritte.

Wenn die eisige Nacht wieder über Pumpuri hereinbricht, wacht Tata Bombori weiter in seiner rußigen Hütte über die Ärmsten der Berge.

Sie wollen mehr wissen? Dann fragen Sie mich gerne! Hinterlassen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren.

Danke fürs Zuhören und bis zum nächsten Mal!

Padre Hernán Tarqui – im Dienst für die Menschen im Hochland Boliviens.

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