
Nach dem Gottesdienst ein Gruppenfoto ist der Standard
Glaube, Gemeinschaft und Hoffnung in den Bergen Boliviens
Wenn in Callampayani die Festtage zu Ehren der Virgen de Copacabana beginnen, verändert sich der Rhythmus des kleinen Ortes. Wege, die sonst still durch die karge Berglandschaft führen, werden zu Begegnungsorten. Familien kommen zusammen, Nachbarn begrüßen einander, Musik erfüllt die Höhenluft – und für eine Weile steht das gemeinsame Feiern im Mittelpunkt. Die Marienfeier ist dabei weit mehr als ein einzelner religiöser Termin. Sie verbindet Glauben, Erinnerung, kulturelle Identität und die Hoffnung der Menschen, die unter oft schwierigen Bedingungen in den bolivianischen Anden leben.

Vor dem Gottesdienst werden die Nachrichten zum Dorfgeschehen ausgetauscht.
Die Virgen de Copacabana – Schutzpatronin und Wegbegleiterin
Die Verehrung der Virgen de Copacabana ist tief in der Geschichte und Spiritualität Boliviens verwurzelt. Für viele Gläubige ist Maria nicht nur die Schutzpatronin des Landes, sondern eine vertraute Begleiterin im Alltag. Menschen wenden sich mit ihren Sorgen, ihrem Dank und ihren Hoffnungen an sie. Gerade in ländlichen Regionen erhält diese Nähe eine besondere Bedeutung: Wo Entfernungen groß, Verkehrswege beschwerlich und staatliche Angebote nur eingeschränkt erreichbar sind, geben religiöse Feste Halt und schaffen einen verlässlichen Raum für Gemeinschaft.

Der Pfarrer kann nicht so oft in der kleinen Kommune sein deshalb gibt’s eine Menge Taufen.
Ein Fest fernab der großen Pilgerströme
Am Titicacasee zieht das Heiligtum von Copacabana zahlreiche Pilgerinnen und Pilger an. In einem kleinen Bergdorf wie Callampayani zeigt sich die Marienverehrung jedoch von einer stilleren und zugleich sehr persönlichen Seite. Hier lebt das Fest vor allem durch die Menschen vor Ort. Familien und Nachbarschaften aus den umliegenden Höhenzügen tragen dazu bei, dass der Ehrentag zu einem Ereignis für die ganze Gemeinschaft wird. Das Vertraute und das Feierliche greifen ineinander: Gebet und Musik, Andacht und Begegnung, Tradition und Alltag.

Der ganze Weiler kam zum Festgottesdienst
Farben, Musik und gelebte Tradition
Regionale Patronatsfeste bewahren ein reiches kulturelles Erbe. Farbenfrohe Kleidung, Musik, gemeinsames Essen und religiöse Zeichen machen sichtbar, was die Menschen miteinander verbindet. Entscheidend ist dabei nicht allein das äußere Programm. Ebenso wichtig ist die Vorbereitung: Aufgaben werden verteilt, Räume hergerichtet, Speisen vorbereitet und Gäste willkommen geheißen. Viele Hände wirken zusammen. Auf diese Weise wird Tradition nicht nur erinnert, sondern von Generation zu Generation praktisch weitergegeben.

Die Kinder freuten sich dieses Mal, dass sie die Hauptpersonen im Gottesdienst waren
Gemeinschaft, die durch den Alltag trägt
Das Leben in den Höhenlagen Boliviens verlangt vielen Familien große Ausdauer ab. Lange Wege, begrenzte wirtschaftliche Möglichkeiten und die Abgeschiedenheit einzelner Siedlungen prägen den Alltag. Umso wichtiger sind Anlässe, an denen niemand allein bleiben muss. Die Fiesta stärkt Beziehungen, erneuert das Gefühl der Zugehörigkeit und schafft Gelegenheit, füreinander da zu sein. Sie erinnert daran, dass Gemeinschaft nicht selbstverständlich ist, sondern immer wieder neu gelebt wird.

Gottesdienste in den Bergen sind immer besonders feierlich
Gerade für die Ärmsten kann eine verlässliche Ansprechperson einen wichtigen Unterschied machen.
Dabei gehören geistliche und soziale Nähe zusammen: Ein Gebet kann Trost geben, ein offenes Ohr Würde vermitteln und konkrete Unterstützung neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Die Marienfeier macht diese Haltung sichtbar. Sie versammelt Menschen nicht nach Besitz oder gesellschaftlicher Stellung, sondern als Gemeinschaft, in der jeder Mensch einen Platz haben soll.

Taufen werden hier gefeiert und sind ein wichtiger Bestandteil des Lebens
Ein Zeichen der Hoffnung
In Callampayani zeigt sich, wie eng Glaube und tägliches Leben miteinander verbunden sein können. Die Festtage unterbrechen den Alltag, ohne ihn auszublenden. Sorgen, Entbehrungen und offene Fragen bleiben bestehen, doch sie werden für einige Tage gemeinsam getragen. In Gebeten, Liedern und Begegnungen findet die Hoffnung eine Form, die hörbar und sichtbar wird. Das Fest lädt dazu ein, dankbar zurückzublicken und zugleich mit Zuversicht nach vorn zu schauen.
Wenn die Musik verklungen ist und die Gäste wieder ihre Wege in die umliegenden Berge antreten, bleibt mehr als die Erinnerung an einen schönen Festtag. Es bleibt das Bewusstsein, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Die Marienfeier in Callampayani erzählt von einem Glauben, der Menschen zusammenführt, von Traditionen, die Identität stiften, und von einem Dienst, der besonders die Bedürftigen nicht aus dem Blick verliert. So wird das Fest der Virgen de Copacabana zu einem lebendigen Zeichen dafür, dass Hoffnung auch an entlegenen Orten wachsen kann – überall dort, wo Menschen miteinander teilen, füreinander einstehen und ihren Glauben gemeinsam feiern.
Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens
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