Die drei Säulen der pastoralen Arbeit
Da die Menschen in den Bergen oft unter extremer Armut leiden, teilt sich die Arbeit vor Ort meist in drei Kernbereiche:
Ganzheitliche Sozial- und Entwicklungsarbeit
In Regionen, in denen es weder feste Straßen noch eine verlässliche Strom- oder Wasserversorgung gibt, wird die Kirche zum Organisator des Alltags:
Bildungsprojekte: Bereitstellung von Schulmaterialien, Betreuung von Landschulen und Internaten, damit Kinder aus weit entfernten Dörfern überhaupt eine Schule besuchen können.
Ernährungssicherung & Innovation: Unterstützung bei nachhaltigen Anbaumethoden in der Landwirtschaft und der Aufbau von Solaranlagen, um abgelegene Bergdörfer mit sauberer Energie und Licht zu versorgen.
Seelsorge und Sakramente (Pastoral)
Das Fundament bleibt die geistliche Begleitung, die sich jedoch stark an die Gegebenheiten anpassen muss:
Die „Gemeinschaften auf dem Weg“: Ein Pfarrer betreut oft Dutzende von weit verstreuten Weilern. Das bedeutet stunden- oder tagelange Fußmärsche oder Fahrten über gefährliche Pisten, um die Sakramente (Taufe, Hochzeit, Krankensalbung) zu den Menschen zu bringen.
Ausbildung von Katecheten: Da der Pfarrer nicht überall gleichzeitig sein kann, werden Frauen und Männer aus den Dörfern zu Wortgottesleiter*innen und Katecheten ausgebildet. Sie halten das religiöse Leben unter der Woche aufrecht.
Bewahrung der Kultur und Gemeinschaft (Ayni)
Die pastorale Arbeit im Hochland Boliviens baut stark auf den indigenen Traditionen der Quechua und Aymara auf.
Gemeinschaftsarbeit (Ayni): Projekte – ob der Bau einer kleinen Kapelle, einer Schule oder eines Brunnens – werden im Geiste der traditionellen gegenseitigen Hilfe realisiert. Alle packen mit an.
Inkulturation: Der christliche Glaube wird mit den tief verwurzelten Traditionen der indigenen Kultur verbunden, um ein echtes, respektvolles Miteinander zu schaffen.
Die größten Herausforderungen vor Ort
Die Geografie: Extreme Höhen, steile Bergpässe und unberechenbares Wetter (Trockenheit oder plötzliche Starkregen, die Wege wegschwemmen).
Ressourcenmangel: Die Pfarreien sind finanziell fast vollständig auf Spenden, Partnerschaften mit europäischen Diözesen oder internationale Hilfswerke (wie Adveniat oder Misereor) angewiesen.
Abwanderung: Viele junge Menschen verlassen die strukturschwachen Berge in Richtung der Großstädte (La Paz, Santa Cruz) oder ins Ausland, was die Dorfgemeinschaften schwächt.
Die pastorale Arbeit in Boliviens Bergen zeigt eindrücklich, wie Kirche funktioniert, wenn sie an die äußersten Ränder geht: Sie predigt den Glauben nicht nur, sondern macht ihn durch konkrete, lebensverändernde Taten im Alltag der Ärmsten sichtbar.
Padre Hernán Tarqui im Dienst für die Ärmsten in den Bergen Boliviens
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